Korrosionsschutz in der Praxis – Kosten, Irrtümer & häufige Fragen
Muss alter Unterbodenschutz wirklich komplett herunter? Was kostet eine Korrosionsschutzbehandlung? Hält eine Konservierung ein Fahrzeugleben lang? Und ist schwarzer Unterbodenschutz automatisch guter Rostschutz? Rund um Korrosionsschutz halten sich viele pauschale Aussagen. Hier ordnen wir sie so ein, wie sie in der Praxis tatsächlich betrachtet werden müssen.
Ein guter Korrosionsschutz lässt sich nicht allein an Materialmenge, Farbe oder Preis beurteilen.
PRAXISWISSEN & KOSTEN
Wann ist Korrosionsschutz sinnvoll, wann ist es zu spät?
Sinnvoll ist er, solange die Fahrzeugsubstanz erhaltenswert und für eine Behandlung geeignet ist. Zu spät ist es, wenn tragende Strukturen bereits so tief durchkorrodiert sind, dass eine Behandlung die Substanz nicht mehr stabilisieren kann.
Die entscheidende Frage ist nie das Alter allein, sondern der tatsächliche Zustand. Ein 25 Jahre alter, gut gepflegter Youngtimer kann eine vollständige Behandlung rechtfertigen. Ein 8 Jahre altes, stark vernachlässigtes Fahrzeug mit korrodierten Längsträgern braucht zuerst eine Reparatur. Ohne Bestandsaufnahme lässt sich „zu spät“ nicht beurteilen — deshalb steht die Sichtprüfung immer am Anfang.
Woran erkennt man eine gute Korrosionsschutz-Behandlung?
An der Sorgfalt in der Vorbereitung, der Vollständigkeit der Ausführung und der Nachvollziehbarkeit der Dokumentation — nicht an der Optik allein. Qualität zeigt sich vor allem an den nicht sichtbaren Stellen.
Eine Behandlung, bei der der Unterboden einfach schwarz gesprüht wurde, sieht anfangs oft besser aus als eine, bei der sorgfältig vorbehandelt, phosphatiert, grundiert und dann transparent versiegelt wurde. Das Erscheinungsbild ist kein Qualitätsmerkmal. Qualitätsmerkmale sind: Wurde eine Endoskop-Kontrolle durchgeführt? Gibt es Fotos des Vorher-Zustands? Wurde nach Spritzplan gearbeitet? Ist das Überschussprinzip eingehalten worden?
Wie wähle ich die richtige Werkstatt für Rostschutz?
Relevante Kriterien: Spezialisierung auf Korrosionsschutz, Einsatz von Endoskop und Hebebühne bei der Bestandsaufnahme, Transparenz über Verfahren und Materialien, Dokumentation, und die Bereitschaft, auch von einer Behandlung abzuraten.
Eine Allgemeinwerkstatt, die Rostschutz als Nebenleistung anbietet, kann das richtig machen — aber sie hat in der Regel weder die spezifische Ausrüstung (Endoskop, Druckbecherpistole, Warmluft für Fett-Verarbeitung) noch das detaillierte Wissen über fahrzeugspezifische Hohlraumgeometrien, das ein Spezialbetrieb über Jahre aufgebaut hat. Die Fragen zu stellen kostet nichts: „Welche Ausrüstung nutzen Sie?“ „Wie prüfen Sie die Vollständigkeit der Hohlraumversiegelung?“ „Bekommen wir eine Dokumentation?“
Was kostet eine Unterbodenschutz-Behandlung ungefähr?
Die Kosten variieren stark nach Fahrzeuggröße, Ausgangszustand, Materialqualität und Aufwand für Vorarbeiten. Pauschalpreise ohne Fahrzeugprüfung sind Schätzungen, die häufig nicht halten.
Haupteinflussfaktoren: Fahrzeuggröße (Unterbodenflächengröße), Zustand (wie viel Vorarbeit ist nötig?), Material (Standard vs. OEM-Qualität), Dokumentationsaufwand und ob Verkleidungen demontiert werden müssen. Ein belastbares Angebot entsteht erst nach der Sichtprüfung — nicht vorher.
Was kostet eine Hohlraumversiegelung ungefähr?
Auch hier sind belastbare Preise ohne Fahrzeugbefund nicht seriös. Relevante Einflussfaktoren sind Fahrzeugkonstruktion, Zugänglichkeit der Hohlräume, verwendetes Material und ob Bohrungen gesetzt werden müssen.
Eine vollständige Hohlraumversiegelung — die wirklich alle relevanten Hohlräume per Spritzplan mit Endoskop-Kontrolle versiegelt — erfordert mehr Zeit und Material als ein oberflächlicher Wachsauftrag. Dieser Unterschied schlägt sich im Preis nieder und ist der Unterschied zwischen einer Behandlung, die hält, und einer, die vorübergehend gut aussieht.
Wovon hängen die Kosten einer Rostschutzbehandlung ab?
Hauptfaktoren: Fahrzeuggröße und -typ, Ausgangszustand und Vorarbeit-Bedarf, Materialqualität, Dokumentationsaufwand, Demontage von Verkleidungen und ob Bohrungen gesetzt werden müssen.
Ein Neuwagen in einwandfreiem Zustand kostet weniger als ein 15 Jahre alter Gebrauchtwagen mit ersten Vorschäden, weil beim Neuwagen kein Aufwand für Entrostung, Phosphatierung schadhafter Stellen und Grundierung anfällt. Bei Nutzfahrzeugen kommen größere Flächen und teils komplexere Rahmenstrukturen hinzu. Beim Wohnmobil kommen Chassis und Aufbau als separate Behandlungsbereiche dazu. Aktuelle Preisbeispiele finden Sie auf unserer Preise-Seite.
Lohnt sich Rostschutz finanziell?
Das kommt auf das Fahrzeug an. Korrosionsschutz kann dazu beitragen, Fahrzeugsubstanz zu erhalten und spätere Korrosionsschäden zu begrenzen. Ob sich eine konkrete Maßnahme wirtschaftlich lohnt, hängt unter anderem von Fahrzeug, Zustand, geplanter Haltedauer und Aufwand ab.
Eine spätere Reparatur nach fortgeschrittener Korrosion — etwa an Schwellern, Bremsleitungen oder tragenden Teilen — verursacht in der Regel einen deutlich höheren Aufwand als eine vorbeugende Behandlung des betroffenen Bereichs. Ob sich das im Einzelfall finanziell auszahlt, hängt aber davon ab, wie lange das Fahrzeug noch gefahren werden soll, wie es genutzt wird und wie der aktuelle Zustand ist — eine pauschale Garantie dafür gibt es nicht.
Wie wirkt sich dokumentierter Rostschutz auf den Wiederverkaufswert aus?
Eine dokumentierte Behandlungshistorie kann beim Verkauf ein Pluspunkt sein — besonders bei Fahrzeugen mit höherem Restwert (Youngtimer, Oldtimer, Premium-Pkw, Wohnmobile). Sie gibt Käufern und Sachverständigen eine nachvollziehbare Grundlage, ersetzt aber keine eigene Begutachtung.
Beim Fahrzeugkauf ist Korrosionszustand ein wesentlicher Wertfaktor, den Laien kaum beurteilen können. Eine Dokumentation, die belegt, dass professionell behandelt und regelmäßig kontrolliert wurde, reduziert Unsicherheit beim Käufer und kann sich positiv auf die Verhandlung auswirken — eine feste Wertsteigerung oder ein bestimmter Prozentsatz lässt sich daraus aber nicht ableiten.
In welchen Abständen sollte ich auf Rost kontrollieren lassen?
Als Orientierung gilt: einmal jährlich für Fahrzeuge mit normaler Nutzung, häufiger bei erhöhter Belastung (intensiver Winterbetrieb, Offroad-Einsatz, Küstenregion, Wohnmobil mit langer Standzeit).
Was passiert, wenn Rostschutz komplett vernachlässigt wird?
Korrosion schreitet zunächst unsichtbar in Hohlräumen und Falzen fort, wird nach Jahren oberflächlich sichtbar und erreicht schließlich strukturell relevante Bauteile — mit wachsendem Reparatur- oder Totalschadenrisiko.
Die Korrosion folgt dem Prinzip des geringsten Widerstands: Sie beginnt dort, wo Bedingungen optimal sind (Feuchtigkeit, Salz, fehlender Schutz), und breitet sich von dort aus. Was im ersten Jahr harmlose Anfänge sind, kann im fünften Jahr strukturell relevant und im zehnten Jahr wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll reparierbar sein.
Kann Korrosionsschutz einen vorhandenen Schaden rückgängig machen?
Nein. Korrosionsschutz verhindert weiteren Fortschritt und stabilisiert den vorhandenen Zustand, aber er restauriert kein bereits zerstörtes Metall. Was durch Rost verloren gegangen ist, ist weg.
Das ist die wichtigste Grenze, die Kunden oft unterschätzen: Rostumwandler stabilisiert vorhandenen Rost chemisch, aber das Material ist und bleibt verändert. Eine Schutzschicht darüber stoppt den weiteren Angriff — aber das Blech an dieser Stelle hat weiterhin reduzierte Wandstärke und geänderte Materialeigenschaften. Was Prävention verhindert, kann Behandlung nicht rückgängig machen.
Ab wann ist Rostschutz nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll?
Wenn Reparatur- und Behandlungskosten den Fahrzeugwert übersteigen und keine besonderen Erhaltungsgründe (historischer Wert, emotionaler Wert, Seltenheit) bestehen, ist ein wirtschaftlicher Totalschaden das fachliche Ergebnis.
Diese Einschätzung gehört zur ehrlichen Beratung dazu. Ein Fahrzeug mit stark korrodierter Tragstruktur, dessen Reparatur mehr kostet als der Restwert, ist wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll zu erhalten — selbst wenn Antrieb und Technik noch tadellos funktionieren. Das auszusprechen gehört zur Fachberatung, auch wenn es bedeutet, keinen Auftrag zu bekommen.
Warum sollte Korrosionsschutz nach Reparaturen oder Hebebühnenarbeiten kontrolliert werden?
Weil Reparaturen, Hebebühnenarbeiten oder demontierte Bauteile bestehende Schutzbereiche verändern oder beschädigen können — ohne dass das auf den ersten Blick auffällt.
Bei Reparaturen werden häufig Bauteile demontiert, angehoben, gebohrt oder geschweißt — Arbeiten, die eine vorhandene Konservierung an genau diesen Stellen beeinträchtigen können. Das ist keine pauschale Schuldzuweisung an die reparierende Werkstatt: Korrosionsschutz steht bei einer Reparatur naturgemäß nicht im Fokus. Sinnvoll ist deshalb, den betroffenen Bereich im Anschluss im Rahmen einer Befundung zu kontrollieren und bei Bedarf nachzubessern.
MYTHEN-AUFLÖSUNGEN
Mythos: „Ein Neuwagen braucht keinen Rostschutz.“
Werksseitiger Schutz ist vorhanden, aber nicht lückenlos und nicht auf Jahrzehnte ausgelegt. Für intensive Winternutzung und lange Haltungsziele ist eine Ergänzungsbehandlung sinnvoll.
Die Herstellergarantie gegen Durchrostung (meist 12 Jahre) klingt lang — aber sie betrifft strukturellen Durchrostungsschutz, nicht jeden Bereich des Fahrzeugs gleichmäßig. Falze, tiefe Hohlräume und besonders exponierte Unterbodenzonen zeigen in der Praxis bereits nach wenigen Jahren Winterbetrieb erste Ansätze, wenn keine Ergänzungsbehandlung stattgefunden hat.
Mythos: „Wenn man nichts sieht, ist nichts da.“
Das Gegenteil ist der Regelfall. Korrosion beginnt fast immer innen — in Hohlräumen, Falzen, hinter Verkleidungen — und wird erst sichtbar, wenn sie sich durch die Blechstärke gearbeitet hat.
Dieser Irrtum ist einer der folgenreichsten: Kunden kommen mit „von außen sieht’s gut aus“ und sind überrascht, wenn das Endoskop in den Schwellern bereits erhebliche Korrosion zeigt. Das sichtbare Erscheinungsbild eines Fahrzeugs korreliert nur sehr bedingt mit seinem tatsächlichen Korrosionszustand innen.
Mythos: „Einmal gemacht, hält für immer.“
Kein Schutzsystem hält unbegrenzt. Alterung, mechanische Belastung und Witterungseinflüsse bauen jeden Korrosionsschutz graduell ab. Regelmäßige Kontrolle und bedarfsgerechte Nachkonservierung sind Teil eines vollständigen Schutzkonzepts.
Ein Wachs, das im ersten Jahr geschmeidig kriecht, kann nach 10 Jahren an exponierten Stellen rissig und spröde sein. Ein Unterbodenschutz, der nach 15 Jahren durch Steinschlag lokal beschädigt ist, schützt an diesen Stellen nicht mehr. „Einmal für immer“ gibt es nicht — was es gibt, ist ein Konzept aus guter Erstbehandlung, jährlicher Kontrolle und gezielter Nachkonservierung.
Mythos: „E-Autos rosten nicht.“
Doch. Die Karosserie, Schweller, Radläufe, Fahrwerk und Unterboden eines E-Autos bestehen aus denselben korrosionsgefährdeten Materialien wie bei jedem anderen Fahrzeug. Der Antrieb ist elektrisch, nicht die Karosserie.
Der Irrtum kommt aus einer falschen Gleichsetzung: „modern“ oder „elektrisch“ mit „nicht korrodierend“. Elektrische Antriebe produzieren keine Abgase — sie schützen aber auch nicht vor Rost. Einige E-Fahrzeuge haben durch ihren geschlossenen Unterboden sogar neue Feuchtigkeit-Einschluss-Risiken, die klassische Verbrenner nicht haben.
Mythos: „Schwarz ist besser — dunkler Unterbodenschutz schützt mehr.“
Die Farbe sagt nichts über die Qualität aus. Schwarze Produkte sehen professionell aus, können aber qualitativ sehr unterschiedlich sein — und verdecken im schlimmsten Fall Korrosion unter der Schicht.
Transparente oder leicht pigmentierte Versiegelungen ermöglichen spätere Sichtkontrollen — man sieht, was unter der Schicht passiert. Vollständig deckende, schwarze Schichten überdecken den Untergrund dauerhaft. Wenn darunter doch Korrosion entsteht, ist sie von außen erst erkennbar, wenn sie die Schicht durchbricht. Qualität steckt im Material, in der Applikation und in der Vorbereitung — nicht in der Farbe.
Mythos: „Korrosionsschutz ist nur Kosmetik.“
Korrosionsschutz an tragenden Strukturen, Bremsleitungen und Fahrwerksteilen ist primär Sicherheitsmaßnahme und Substanzerhalt — kein kosmetischer Eingriff.
Durchgerostete Längsträger, defekte Bremsleitungen und geschwächte Schweller sind Sicherheitsrisiken, keine optischen Mängel. Korrosionsschutz sichert die strukturelle Integrität des Fahrzeugs über seine Lebensdauer — das ist der eigentliche Kern, nicht das Erscheinungsbild.
Mythos: „Je dicker die Schicht, desto besser.“
Mehr ist nicht automatisch besser. Übermäßig dicke Schichten können schlechter haften, durch Temperaturschwankungen reißen oder in Hohlräumen das Gegenteil bewirken — weil zu viskoses Material nicht kriecht.
Die optimale Schichtdicke ist materialspezifisch und hängt vom Einsatzbereich ab. Im geschlossenen Hohlraum ist Kriechfähigkeit entscheidend — dafür muss das Material so dünnflüssig sein, dass es in jeden Winkel dringt. Eine zu dicke, zähflüssige Schicht bleibt an der Eintrittsstelle kleben und versiegelt gerade nicht die kritischen, entlegenen Bereiche. Am Unterboden ist dagegen eine ausreichende Schichtdicke für mechanische Resistenz wichtig.
Mythos: „Starker Geruch bedeutet hohe Qualität.“
Der Geruch ist ein Folge der Formulierung, kein Qualitätsmerkmal. Lösemittelhaltige Produkte riechen stärker, sind aber nicht automatisch besser als moderne, lösemittelfreie Systeme.
Lösemittelhaltige Wachse haben durch die enthaltenen Lösemittel einen ausgeprägteren Geruch als lösemittelfreie Pendants. Das lösemittelhaltige System kriecht teils besser, dafür enthält es flüchtige organische Verbindungen, die Arbeitsschutz-Anforderungen auslösen. Hochwertige moderne lösemittelfreie Systeme können in Kriechfähigkeit und Standzeit gleichwertig oder überlegen sein — ohne den Geruch.
Mythos: „Unterbodenwäsche im Winter reicht als Rostschutz.“
Eine Unterbodenwäsche ist eine sinnvolle Pflegemaßnahme, aber kein Rostschutz. Sie entfernt Salzrückstände von zugänglichen Außenflächen, schützt aber keine Hohlräume und behandelt keine bestehenden Schwachstellen.
Wäsche und Schutz sind grundlegend verschieden. Eine Wäsche beseitigt den Elektrolyten von erreichbaren Flächen — das ist gut und wichtig. Sie kann aber nicht in Hohlräume eindringen, wo das eigentliche Korrosionsrisiko liegt, und sie bringt keinen neuen Schutz auf beschädigte oder unversiegelte Stellen auf.
Mythos: „Die Rostschutzgarantie des Herstellers gilt für alles.“
Herstellergarantien gegen Durchrostung gelten primär für strukturelle Durchrostung von innen nach außen — nicht für Oberflächenrost, Falzrost oder Korrosion unter Anbauteilen. Und sie sind an Bedingungen geknüpft.
„12 Jahre gegen Durchrostung“ ist eine häufig missdeutete Aussage. Sie bedeutet nicht, dass das Fahrzeug 12 Jahre rostfrei bleibt — sie bedeutet, dass die Karosserie im Bereich von innen nach außen durchrostender Strukturen 12 Jahre gedeckt ist, vorausgesetzt ordnungsgemäße Pflege und Wartung. Steinschlag-Folgerost, Falzrost und Korrosion unter Verkleidungen sind davon regelmäßig ausgenommen.
Mythos: „Rost ist nur ein optisches Problem.“
Oberflächenrost ist zunächst optisch. Struktureller Rost in Schwellern, Längsträgern, Bremsleitungen und Fahrwerksteilen ist ein Sicherheitsproblem, das direkt die Fahr- und Crashsicherheit beeinträchtigt.
Der Übergang von „optisch“ zu „strukturell“ verläuft schleichend und ist von außen nicht erkennbar. Was heute als harmloser Oberflächenrost abgetan wird, kann in drei Jahren tragfähigkeitsrelevant sein. Das ist das stärkste Argument für frühzeitigen Eingriff: Rost, der heute behandelt wird, hinterlässt keinen dauerhaften Substanzschaden. Rost, der zu spät behandelt wird, hat das bereits getan.
Mythos: „Versicherungen zahlen für Rostschäden.“
Nein. Rostschäden gelten als Verschleiß und sind von Kfz-Versicherungen grundsätzlich nicht abgedeckt. Weder Haftpflicht noch Kasko zahlen für Korrosionsschäden durch reguläre Nutzung.
Versicherungen decken Ereignisse ab, nicht planmäßige Alterung. Korrosion durch Nutzung ist eine kalkulierte Alterserscheinung, für die der Fahrzeughalter selbst verantwortlich ist. Auch Streusalzschäden sind von keiner regulären Kfz-Versicherung abgedeckt — das Risiko liegt beim Fahrzeughalter.
Mythos: „Teures Auto = besserer Werkschutz.“
Fahrzeugpreis und werksseitiger Korrosionsschutz korrelieren nur bedingt. Korrosionsschutz-Qualität hängt von Fertigungsstandards und Konstruktionsentscheidungen ab — nicht vom Verkaufspreis.
Mythos: „Hohlraumversiegelung macht man nur einmal im Fahrzeugleben.“
Hohlraumversiegelungen altern, können sich zusammenziehen, lösen oder durch mechanische Belastung Stellen freisetzen. Regelmäßige Kontrolle und bedarfsgerechte Nachkonservierung sind fachlich geboten.
Ein Wachs, das perfekt eingebracht wurde, beginnt nach Jahren zu altern. Wärme-Kalt-Wechsel, Vibrationen und Feuchtigkeitszyklen beanspruchen es kontinuierlich. „Einmal für immer“ ist ein Versprechen, das keine Materialwissenschaft halten kann — wohl aber ein gut konzipiertes Konzept aus Erstbehandlung, Kontrolle und Nachkonservierung.
Mythos: „Diesel- oder Benzinfahrzeuge rosten unterschiedlich stark.“
Der Kraftstofftyp hat keinen direkten Einfluss auf die Karosseriekorrosion. Entscheidend sind Nutzungsprofil, Pflegeintensität, regionale Belastung und Fahrzeugalter.
Der Mythos hält sich hartnäckig, ohne fachliche Grundlage zu haben. Die Karosserie eines Dieselfahrzeugs unterliegt denselben Korrosionsmechanismen wie die eines Benzinfahrzeugs. Wahrnehmungsunterschiede erklären sich durch Modell-spezifische Faktoren, nicht durch den Kraftstoff.
Mythos: „Korrosionsschutz muss jedes Jahr neu gemacht werden.“
Nein. Eine jährliche Kontrolle bedeutet nicht automatisch eine jährliche Erneuerung — bei uns ist die jährliche Korrosionsschutz-Nachkontrolle kostenlos, zusätzliche Arbeiten erfolgen nur nach Bedarf und Abstimmung.
Kontrolle und Behandlung sind zwei unterschiedliche Dinge. Bei der jährlichen Nachkontrolle wird geprüft, ob der vorhandene Schutz noch intakt ist. Nur wenn dabei tatsächlich ein Bedarf festgestellt wird, folgen weitere Arbeiten — und auch dann nur nach Abstimmung mit dem Fahrzeughalter.
Mythos: „Trockeneis entfernt Rost.“
Nein. Trockeneisstrahlen ist in erster Linie ein Reinigungsverfahren. Vorhandene Korrosion wird dadurch nicht wie bei einem abrasiven Entrostungsverfahren entfernt.
Trockeneisstrahlen löst Verschmutzungen, alte Beschichtungsreste und lose Partikel schonend vom Untergrund — es ersetzt aber keine gezielte Entrostung. Mehr zum Verfahren und seinen Grenzen im Kompendium: Verfahren.
Mythos: „Alter Unterbodenschutz muss immer komplett herunter.“
Nein. Entscheidend ist, ob die vorhandene Schutzschicht noch haftet, tragfähig ist und keine Unterwanderung oder Schäden zeigt — nicht ihr Alter.
Bewertet werden unter anderem Haftung, Tragfähigkeit, mögliche Unterwanderung durch Feuchtigkeit, sichtbare Schäden, Materialverträglichkeit mit einem geplanten neuen Aufbau sowie der geplante weitere Korrosionsschutz. Eine intakte, gut haftende Altbeschichtung grundsätzlich zu entfernen, wäre nicht sinnvoll.
Mythos: „Rost kann man einfach mit Wachs oder Unterbodenschutz überdecken.“
Nicht als fachgerechte Standardlösung. Eine Schutzschicht ersetzt keine notwendige Rostbehandlung — vor dem Beschichten muss beurteilt werden, welcher Zustand darunter tatsächlich vorhanden ist.
Wird Korrosion lediglich überdeckt, statt sie vorher fachgerecht zu beurteilen und zu behandeln, kann sie unter der neuen Schicht unbemerkt weiterlaufen. Eine sinnvolle Behandlung setzt deshalb immer eine Beurteilung des tatsächlichen Zustands voraus, bevor eine neue Schutzschicht aufgebracht wird.
Mythos: „Ein Garagenwagen rostet nicht.“
Nein, eine Garage schließt Korrosion nicht aus. Sie verringert lediglich einige begünstigende Faktoren.
Ob ein Fahrzeug korrodiert, hängt von mehreren Faktoren gleichzeitig ab — unter anderem Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen, Salzbelastung, Belüftung der Garage und dem tatsächlichen Zustand des Fahrzeugs. Eine trockene, gut belüftete Garage kann Korrosion begünstigende Bedingungen reduzieren, ersetzt aber keine Kontrolle und keinen Korrosionsschutz.
Mythos: „Korrosionsschutz kann man auch selbst machen.“
Teilweise. Einige einfache Schutzarbeiten können technisch versierte Fahrzeugbesitzer selbst durchführen. Schwieriger wird es dort, wo Zustand, verdeckte Bereiche und sichere Zugänglichkeit fachlich beurteilt werden müssen.
Oberflächliche Konservierung mit handelsüblichen Produkten ist grundsätzlich möglich. Die Beurteilung von Hohlräumen, Altbeschichtungen oder verdecktem Rost sowie die sichere Arbeit auf der Hebebühne erfordern dagegen Erfahrung und Ausrüstung — bei modernen Fahrzeugen kann zudem eine Hochvolt-Qualifikation relevant werden, wenn in der Nähe von Hochvolt-Komponenten gearbeitet wird. Statt einzelner Sprühdosenprodukte setzt die Rostschutzklinik auf ein aufeinander abgestimmtes System — PROTECT360 ist dabei ein Systemgedanke, kein einzelnes Produkt.
Mythos: „Eine bestandene Hauptuntersuchung bedeutet, dass kein Korrosionsproblem besteht.“
Nein. Eine bestandene Hauptuntersuchung ist keine vollständige Zustandsbewertung des gesamten Korrosionsschutzes eines Fahrzeugs.
Die Hauptuntersuchung prüft die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs zum Prüfzeitpunkt an zugänglichen, sicherheitsrelevanten Bereichen. Nicht sicherheitsrelevante Korrosion, beginnende Schäden in schwer zugänglichen Bereichen oder Hohlräumen sind damit nicht automatisch ausgeschlossen. Genaue rechtliche Vorgaben zur HU sind bei den zuständigen Prüforganisationen zu erfragen.
Vertiefend: Grundlagen · Werkstoffe & Schutzmaterialien · Verfahren · Diagnostik & Behandlungsablauf · Glossar
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