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— Kompendium: Glossar

Das Rost-Glossar.

Die wichtigsten Begriffe rund um Korrosion und Fahrzeugschutz – verständlich erklärt.

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A
Anode
Der Bereich einer elektrochemischen Zelle, an dem Oxidation stattfindet — also Elektronen abgegeben werden und Metall in Lösung geht. Bei der Fahrzeug-Korrosion ist die Anode die Stelle, an der Eisen zu Rost wird. → Kathode, Lokalelement, Elektrolyt
Auftausalz
Oberbegriff für alle Salze, die im Winterdienst zum Schmelzen von Eis eingesetzt werden. Hauptvertreter ist Natriumchlorid (NaCl), bei tiefen Temperaturen ergänzt durch Calciumchlorid (CaCl₂) und Magnesiumchlorid (MgCl₂). Alle Auftausalze sind chloridhaltig und damit für Stahlkarosserien aggressiv. → Chloride, Elektrolyt, Streusalz
B
Beschichtungsunterwanderung
Korrosion, die sich lateral unter einer äußerlich noch intakten Schutzschicht ausbreitet. Ausgang ist typischerweise eine lokale Beschädigung der Beschichtung (Steinschlag, Kratzer), von der aus Feuchtigkeit unter die Schicht kriecht und Rost fördert, ohne von außen sichtbar zu sein. → Falzrost, Hohlraumkorrosion
C
Chloride
Negativ geladene Ionen aus Chlor-Verbindungen (Cl⁻), die im Wasser gelöst Korrosion massiv beschleunigen. Chloride können Passivschichten auf Stahl und Edelstahl lokal durchdringen und Lochfraß auslösen. In Streusalz, Meerwasser und Industrieabwässern sind Chloride der Hauptverursacher erhöhter Korrosivität. → Streusalz, Lochfraß, Passivschicht
Chromoxid
Die Oxidschicht (Cr₂O₃), die sich auf Edelstahl (und anderen Chromlegierungen) bildet und als dichte, selbstheilende Passivschicht wirkt. Chromoxid ist transparent, hauchdünn und schützt das darunterliegende Metall zuverlässig — solange es intakt ist. → Edelstahl, Passivschicht
D
Duplex-System
Kombinierter Korrosionsschutz aus zwei sich ergänzenden Methoden, typischerweise Verzinkung und zusätzliche Beschichtung. Die Schutzdauer eines Duplex-Systems übersteigt die Summe der Einzelschutzdauern, weil beide Systeme sich gegenseitig ergänzen: Die Verzinkung bietet kathodischen Schutz, die Beschichtung bildet eine physikalische Barriere. → Verzinkung, Opferanode
E
Edelstahl
Korrosionsbeständiger Stahl mit einem Chromgehalt von mindestens 10,5 %. Chrom bildet eine schützende Chromoxid-Passivschicht, die sich bei Beschädigungen selbst regeneriert. Edelstahl ist „rostbeständig“, nicht „rostfrei“ — unter hohen Chloridbelastungen oder durch Kontaktkorrosion kann auch Edelstahl angreifen. → Chromoxid, Passivschicht, Lochfraß
Elektrochemische Korrosion
Korrosion, die durch elektrochemische Reaktionen abläuft — Elektronenübertragung zwischen Anode und Kathode über einen Elektrolyten. Fast alle Fahrzeugkorrosion ist elektrochemischer Natur, weil Feuchtigkeit als Elektrolyt immer vorhanden ist. → Anode, Kathode, Elektrolyt, Lokalelement
Elektrochemische Spannungsreihe
→ Potenzialreihe
Elektrolyt
Flüssigkeit, in der Ionen gelöst sind und dadurch elektrischen Strom leiten. Bei der Fahrzeugkorrosion übernimmt Wasser — besonders Salzwasser — die Rolle des Elektrolyten, der den Ionentransport zwischen Anode und Kathode ermöglicht. Ohne Elektrolyt ist elektrochemische Korrosion nicht möglich. → Anode, Kathode, Streusalz
Endoskop-Diagnostik
Untersuchung mit einer flexiblen Kamera-Sonde, um Hohlräume und verborgene Fahrzeugbereiche direkt von innen zu beurteilen. Die Endoskop-Diagnostik ist der zuverlässigste Weg, den tatsächlichen Korrosionszustand von Schwellern, Säulen und anderen Hohlprofilen festzustellen — ohne Demontage. → Hohlraum, Sichtprüfung
Entfettung
Reinigungsschritt vor einer Korrosionsschutzbehandlung, der Öle, Fette und ölartige Rückstände von der Metalloberfläche entfernt. Fettrückstände verhindern die Haftung jeder nachfolgenden Schutzschicht. → Oberflächenvorbereitung, Phosphatierung
Entrostung
Mechanische oder chemische Entfernung von Rost von einer Metalloberfläche, bevor eine Schutzbehandlung erfolgt. Loser Rost muss vollständig entfernt werden; fest haftender Restrost kann alternativ mit Rostumwandler stabilisiert werden. → Rostumwandler, Phosphatierung, Oberflächenvorbereitung
Erosionskorrosion
Kombinierter Angriff aus mechanischem Abrieb durch strömende Medien und gleichzeitiger chemischer Korrosion. Am Fahrzeug tritt Erosionskorrosion typischerweise an Auspuffanlagen, Kühlwasser-Leitungen und exponierten Unterbodenteilen auf, die dauerhaft von aufgewirbeltem, partikelbeladenem Wasser angeströmt werden.
F
Falz / Falzrost
Ein Falz ist die umgebördelte Verbindungskante, an der zwei Blechlagen aufeinanderliegen (an Türen, Motorhauben, Radläufen). Falzrost ist die Korrosion, die in diesem engen Kapillarspalt entsteht, weil Feuchtigkeit eindringt und nicht abtrocknen kann. Falzrost ist von außen oft lange nicht sichtbar. → Kapillarwirkung, Beschichtungsunterwanderung
Feuerverzinkung
Verfahren, bei dem Stahlteile vollständig in flüssiges Zink (rund 450 °C) getaucht werden. Es entsteht eine metallurgisch verbundene Zink-Eisen-Legierungsschicht, die mechanisch sehr widerstandsfähig ist und gleichzeitig kathodischen Schutz bietet. → Verzinkung, Opferanode, Duplex-System
Flugrost
Korrosion durch abgelagerte Fremd-Eisenpartikel, die aus der Umgebung (Bremsenabrieb, Bahnbetrieb, Industrie) auf Metalloberflächen fallen und dort rosten. Flugrost ist nicht der eigene Rost des betroffenen Materials, kann aber bei Vernachlässigung in dieses eindringen und Eigenkorrosion auslösen. → Rost
G
Galvanische Korrosion
→ Kontaktkorrosion
H
Hakendüse
Sprühsonde mit gebogener Spitze für die Hohlraumversiegelung, die es ermöglicht, Material auch in seitlich liegende oder nach oben/unten abgewinkelte Bereiche zu lenken. Ergänzt die gerade Hohlraumdüse für komplexere Hohlraumgeometrien. → Hohlraumdüse, Spritzplan
Hohlraum
Geschlossenes oder schlecht zugängliches Profil in der Fahrzeugkarosserie, wie Schweller, Säulen, Längsträger und Türen. Hohlräume sind besonders korrosionsgefährdet, weil eingedrungene Feuchtigkeit nicht abtrocknen kann. → Hohlraumversiegelung, Hohlraumkorrosion, Endoskop-Diagnostik
Hohlraumkorrosion
Korrosion, die sich in geschlossenen Hohlprofilen der Fahrzeugkarosserie entwickelt, wo Feuchtigkeit eingedrungen ist und nicht abtrocknen kann. Da Hohlraumkorrosion von außen nicht sichtbar ist, wird sie oft erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. → Hohlraum, Hohlraumversiegelung, Endoskop-Diagnostik
Hohlraumdüse
Lange, schlanke Applikationssonde, die in Bohrungen oder Öffnungen eingeführt wird, um Hohlraumschutzwachs oder -fett tief in geschlossene Karosserieprofile einzubringen. Standardwerkzeug für die professionelle Hohlraumversiegelung. → Hohlraumversiegelung, Hakendüse, Spritzplan
Hohlraumfett / Korrosionsschutzfett
Warmverarbeitetes Korrosionsschutzmittel, das bei 70–110 °C niedrigviskos genug ist, um in Hohlräume einzudringen, und nach dem Abkühlen eine dickere, mechanisch robustere Schutzschicht bildet als Hohlraumwachs. → Hohlraumwachs, Warmverarbeitung
Hohlraumversiegelung
Fachgerechtes Einbringen von kriechfähigen Wachsen oder Fetten in geschlossene Karosserieprofile (Schweller, Säulen, Längsträger, Türen), um Feuchtigkeit zu verdrängen und die Innenflächen dauerhaft zu schützen. Professionelle Hohlraumversiegelung folgt einem fahrzeugtypspezifischen Spritzplan und wird nach dem Überschussprinzip kontrolliert. → Hohlraumdüse, Spritzplan, Überschussprinzip
Hohlraumwachs
Dünnflüssiges, kriechfähiges Material zur Hohlraumversiegelung, das bei normaler Umgebungstemperatur oder mit leichter Erwärmung verarbeitet werden kann. Hohlraumwachs ist besonders für enge Falze und Kapillarspaltbereiche geeignet. → Hohlraumfett, Hohlraumversiegelung, Kriechfähigkeit
I
Interkristalline Korrosion
Korrosionsform, die sich entlang der Korngrenzen im Metallgefüge ausbreitet, anstatt die Oberfläche flächig abzutragen. Besonders anfällig sind Edelstähle, die beim Schweißen in einem kritischen Temperaturbereich sensitisiert wurden, und bestimmte Aluminiumlegierungen. → Edelstahl, Schweißnaht
K
Kapillarwirkung
Physikalisches Phänomen, bei dem Flüssigkeiten in engen Spalten und Kapillaren aufsteigen oder eindringen, weil die Oberflächenspannung die Schwerkraft überwindet. Kapillarwirkung ist der Hauptmechanismus, durch den Feuchtigkeit in Falze, Blechüberlappungen und enge Spalten eindringt und dort dauerhaft gehalten wird. → Falz, Spaltkorrosion
Kataphorese
→ KTL (kathodische Tauchlackierung)
Kathode
Der Bereich einer elektrochemischen Zelle, an dem Reduktion stattfindet — Elektronen werden aufgenommen. Bei der Fahrzeugkorrosion ist die Kathode der geschützte Bereich; Sauerstoff und Wasserstoffionen nehmen die Elektronen auf, die von der Anode stammen. → Anode, Elektrolyt
Kathodischer Korrosionsschutz
Schutzprinzip, bei dem das zu schützende Metall zur Kathode gemacht wird — entweder durch das Anschließen einer elektrischen Schutzstromquelle oder durch das Ankoppeln eines unedleren Metalls (Opferanode), das bevorzugt korrodiert. Im Fahrzeugbau realisiert durch Verzinkung und Opferanoden. → Opferanode, Verzinkung, Anode
Kondenswasser
Wasser, das sich aus der Luft auf kühlen Oberflächen niederschlägt, wenn die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt der umgebenden Luft sinkt. Kondenswasser in Fahrzeughohlräumen entsteht durch Temperaturwechsel und akkumuliert sich, weil keine natürliche Belüftung zum Abtrocknen vorhanden ist. → Taupunkt, Hohlraumkorrosion
Konservierung / Nachkonservierung
Allgemeiner Begriff für die Schutzbehandlung von Metalloberflächen mit korrosionshemmenden Mitteln. Nachkonservierung bezeichnet die Ergänzung oder Erneuerung eines bestehenden Korrosionsschutzes. → Hohlraumversiegelung, Unterbodenschutz
Kontaktkorrosion
Elektrochemische Korrosion, die entsteht, wenn zwei Metalle mit unterschiedlichem elektrochemischem Potenzial in Kontakt stehen und von einem Elektrolyten umgeben sind. Das unedlere Metall (Anode) korrodiert bevorzugt. Im modernen Fahrzeugbau mit Mischbauweise (Stahl-Aluminium) zunehmend relevant. → Potenzialreihe, Anode, Elektrolyt
Konversionsschicht
Korrosionsschutzschicht, die durch chemische Reaktion zwischen der Metalloberfläche und einer Behandlungslösung entsteht — nicht aufgetragen, sondern aus dem Metall selbst hervorgehend. Phosphatierung ist das bekannteste Konversionsschichtverfahren. Die entstehende Schicht ist unlöslich, haftfest und bildet einen idealen Haftgrund für weitere Beschichtungen. → Phosphatierung
Korrosion
Oberbegriff für die chemische oder elektrochemische Reaktion eines Werkstoffs (besonders Metall) mit seiner Umgebung, die zur Zerstörung oder Beeinträchtigung des Materials führt. Rost ist die Sonderform von Korrosion, die ausschließlich bei Eisen und Stahl auftritt. → Rost, Elektrochemische Korrosion
Korrosionsschutzfett
→ Hohlraumfett
Korrosivitätskategorie
Klassifizierung der Aggressivität einer Umgebung für metallische Werkstoffe, nach DIN EN ISO 12944 in den Stufen C1 (sehr niedrig) bis C5 (sehr hoch) und CX (extrem). Für Fahrzeuge in normaler Nutzung mit Winterbetrieb entspricht die Belastung typischerweise C3–C4. → DIN EN ISO 12944
Kriechfähigkeit
Eigenschaft eines Korrosionsschutzmittels, auch in sehr enge Spalten, Falze und Kapillaren einzudringen. Hochkriechfähige Materialien sind dünnflüssiger, bilden aber in der Regel dünnere Schutzschichten. → Hohlraumwachs, Kapillarwirkung, Falz
KTL (Kathodische Tauchlackierung)
Industrielles Beschichtungsverfahren, bei dem die Karosserie als Kathode in ein Lackbad getaucht und mittels Gleichspannung gleichmäßig beschichtet wird. KTL ist der Standard für werksseitigen Grundkorrosionsschutz im Automobilbau und erreicht durch das elektrochemische Prinzip auch Innenräume und komplexe Geometrien. → Kathodischer Korrosionsschutz, Konversionsschicht
L
Lanolin
Natürliches Wollwachs aus Schafwolle mit wasserabweisenden Eigenschaften. Wird in manchen Korrosionsschutzmitteln als Wirkstoff eingesetzt. Seine Schutzeigenschaften sind mit anderen Wachssystemen vergleichbar. → Hohlraumwachs
Lochfraß (Pitting-Korrosion)
Konzentrierte, punktuell tiefe Korrosionsform, bei der sich kleine, tiefe Grübchen oder Löcher ins Metall bohren, während die umgebende Oberfläche weitgehend intakt bleibt. Wird besonders durch Chloridionen ausgelöst, die die Passivschicht lokal durchdringen. → Passivschicht, Chloride
Lokalelement
Mikroskopisch kleine elektrochemische Zelle auf einer einzigen Metalloberfläche, die durch lokale Unterschiede im Potenzial (z. B. durch Gefügebestandteile, Spannungen oder Verunreinigungen) entsteht. Das Vorhandensein von Lokal-elementen erklärt, warum Metalle auch ohne Kontakt mit einem zweiten Metall korrodieren. → Elektrochemische Korrosion, Anode, Kathode
M
Materialmix
Kombination verschiedener Materialien im modernen Fahrzeugbau (Stahl, Aluminium, Kunststoff, Verbundwerkstoffe). Materialmix ermöglicht Gewichtsersparnis, birgt aber an Verbindungsstellen erhöhtes Kontaktkorrosionsrisiko. → Kontaktkorrosion
N
Nachkontrolle / Nachkontrollintervall
Regelmäßige fachkundige Sichtprüfung eines behandelten Fahrzeugs, um den Zustand des Korrosionsschutzes zu beurteilen und bei Bedarf nachzubessern. Empfohlenes Standardintervall: jährlich. → Sichtprüfung, Nachkonservierung
O
Oberflächenrost
Flächige, gleichmäßige Korrosion an der Außenoberfläche eines Metallbauteils, die sich auf die obersten Metallschichten beschränkt. Oberflächenrost ist die behandelbarste Rostform, kann aber bei Vernachlässigung in tiefere, strukturell relevante Bereiche übergehen.
Oberflächenvorbereitung
Alle Schritte, die eine Metalloberfläche für die Aufnahme einer Schutzschicht vorbereiten: Reinigung, Entfettung, Entrostung und gegebenenfalls Phosphatierung. Qualität der Oberflächenvorbereitung ist der wichtigste Faktor für die Standzeit der nachfolgenden Beschichtung. → Phosphatierung, Entrostung, Entfettung
Opferanode
Bauteil aus einem unedleren Metall (meist Zink oder Magnesium), das bewusst an ein zu schützendes Stahl-Bauteil angebracht wird. Die Opferanode korrodiert bevorzugt und schützt dadurch das edlere Stahl-Bauteil. Prinzip des kathodischen Schutzes. → Kathodischer Korrosionsschutz, Potenzialreihe
Oxidation
Chemischer Prozess, bei dem ein Stoff Elektronen abgibt. Bei der Korrosion von Eisen ist Oxidation der Grundvorgang: Eisenatome geben Elektronen ab und bilden Eisenionen, die weiter zu Rost reagieren. → Rost, Elektrochemische Korrosion
P
Passivschicht
Dünne, dichte Oxidschicht, die sich auf bestimmten Metallen (Edelstahl, Aluminium, Zink) spontan bildet und das darunterliegende Metall von der Umgebung isoliert. Passivschichten sind selbstheilend — bei kleinen Beschädigungen regenerieren sie sich in Gegenwart von Sauerstoff. → Chromoxid, Edelstahl
Patina
Deckschicht, die sich über Zeit auf Metalloberflächen durch Oxidation oder chemische Reaktion mit der Umgebung bildet. Bei Kupfer und Bronzen ist Patina (Grünspan) werterhaltend und schützend. Bei Oldtimern bezeichnet Patina die gewachsene Oberfläche, deren Erhalt Teil des Substanzerhalts sein kann. → Korrosion
Phosphatierung
Chemisches Konversionsschichtverfahren, bei dem Metalloberflächen in phosphathaltiger Lösung behandelt werden. Es bildet sich eine fest haftende, mikroporöse Phosphatschicht, die selbst Korrosionsschutz bietet und als Haftgrund für nachfolgende Beschichtungen dient. Zinkphosphatierung bietet höheren Schutz als Eisenphosphatierung. → Konversionsschicht, Oberflächenvorbereitung
Potenzialreihe (elektrochemische Spannungsreihe)
Ordnung der Metalle nach ihrem elektrochemischen Potenzial — von unedel (gibt leicht Elektronen ab, korrodiert bevorzugt) bis edel (nimmt Elektronen auf, korrodiert kaum). Für den Korrosionsschutz zentral: Das unedlere Metall in einem Metallkontakt korrodiert bevorzugt. Reihenfolge (Auswahl): Magnesium → Zink → Aluminium → Eisen → Nickel → Kupfer → Silber. → Kontaktkorrosion, Opferanode
Praxis-Sektion (PRAXIS)
Kennzeichnung in den Artikeln des Korrosions-Kompendiums für Inhalte aus der direkten Werkstattrealität der Rostschutzklinik — konkrete Erfahrungen, Beobachtungen und Vorgehensweisen aus dem täglichen Betrieb mit rund 600 Fahrzeugen pro Jahr.
R
Reibkorrosion (Fretting Corrosion)
Korrosionsform durch Mikroreibung zwischen zwei Metallflächen unter Last, die trotz nominell fester Verbindung kleine Relativbewegungen durch Vibrationen ausführen. Reibkorrosion erzeugt charakteristischen roten oder schwarzen Feinstaub und kann Passungen aufweiten. → Elektrochemische Korrosion
Rost
Korrosionsprodukt von Eisen und Stahl — ein poröses, bräunlich-rotes Gemisch aus verschiedenen hydratisierten Eisenoxiden (hauptsächlich Eisen(III)-oxid und -hydroxid). Rost bildet keine schützende Deckschicht, sondern hält Feuchtigkeit und beschleunigt seine eigene Ausbreitung. → Korrosion, Oxidation
Rostumwandler
Chemisches Mittel, das vorhandenen Rost in eine stabile, nicht-poröse Eisenphosphat-Verbindung umwandelt, statt ihn mechanisch zu entfernen. Wirkstoff ist meist Phosphorsäure (bildet Eisenphosphat) oder Tannin (bildet Eisen-Tannin-Verbindungen). Rostumwandler ist keine Wunderwaffe für schweren Rostbefall, sondern ein Stabilisierungsmittel für leichten bis mittleren, fest haftenden Rost. → Phosphatierung
S
Sa-Grade (Strahlreinheitsgrade)
Klassifizierung nach DIN EN ISO 8501-1, die beschreibt, wie vollständig Rost, Zunder und Verunreinigungen von einer Stahloberfläche durch Strahlen entfernt wurden: Sa 1 (leicht), Sa 2 (gründlich), Sa 2½ (sehr gründlich), Sa 3 (metallisch blank). → Oberflächenvorbereitung, Strahlen
Salzsprühtest (NSS)
Standardisierter Labortest nach DIN EN ISO 9227, bei dem Prüfteile einer definierten Salznebelatmosphäre ausgesetzt werden. Dient dem standardisierten Vergleich von Korrosionsschutzleistungen. Der Test bildet reale Nutzungsbedingungen nicht vollständig ab, ist aber als Vergleichsmaßstab und Qualitätssnachweis wertvoll. → Korrosivitätskategorie
Schutzdauerklasse
Klassifizierung nach DIN EN ISO 12944, die beschreibt, wie lange ein Beschichtungssystem unter definierten Bedingungen halten soll (L: 2–5 Jahre, M: 5–15 Jahre, H: 15–25 Jahre, VH: über 25 Jahre). Die Schutzdauer ist eine technische Prognose, keine Garantie. → DIN EN ISO 12944, Korrosivitätskategorie
Schweißnaht
Verbindungszone zweier Metallteile durch Schweißverfahren. Schweißnähte sind korrosionstechnisch besondere Schwachstellen, weil die Wärmeeinbringung das Metallgefüge verändert, scharfe Kanten entstehen können, und Beschichtungen an der Nahtgeometrie dünner und weniger haftend sind. → Interkristalline Korrosion
Self-Healing-Effekt
Eigenschaft bestimmter Hohlraumwachse, kleine Risse und Fehlstellen bei Wärme selbstständig zu schließen, indem das weicher werdende Material in die Lücken zurückfließt. Der Effekt ist materialabhängig und auf Mikrodefekte begrenzt. → Hohlraumwachs
Sichtprüfung
Systematische visuelle Kontrolle des Fahrzeugzustands auf der Hebebühne, die alle konstruktionsbedingten Schwachstellen abarbeitet. Eine fachkundige Sichtprüfung umfasst Endoskop-Kontrolle der Hohlräume und ist Grundlage jeder seriösen Korrosionsschutz-Empfehlung. → Endoskop-Diagnostik, Nachkontrolle
Spaltkorrosion
Korrosion in engen Spalten (unter Schraubenköpfen, in Blechüberlappungen, in Dichtungsübergängen), die durch eingeschlossene Feuchtigkeit und reduzierte Sauerstoffkonzentration im Spalt entsteht. Durch das entstehende Belüftungselement wird der Spaltbereich zur Anode, wo konzentrierter Materialangriff stattfindet. → Kapillarwirkung, Lokalelement
Spannungsrisskorrosion
Kombination aus mechanischer Zugspannung im Material und korrosivem Medium, die zu Rissen führt, die schneller wachsen als durch alleinige Korrosion oder alleinige mechanische Belastung. An Fahrzeugen relevant bei hochfesten Fahrwerksteilen und vorgespannten Schraubenverbindungen. → Elektrochemische Korrosion
Spritzplan
Fahrzeugtypspezifische Vorgehensweise für die Hohlraumversiegelung, die festlegt, über welche Öffnungen welcher Hohlraum in welcher Reihenfolge mit welcher Düse behandelt wird. Der Spritzplan stellt sicher, dass kein Hohlraum vergessen oder nur unvollständig erreicht wird. → Hohlraumversiegelung, Überschussprinzip
Steinschlagschutz
Elastische Beschichtung für mechanisch besonders exponierte Bereiche (Radläufe, Schweller, vorderer Unterboden), die Schäden durch aufgewirbeltes Gestein und Schmutz reduziert. Steinschlagschutz ist kein Korrosionsschutz im engeren Sinn, aber verhindert Schutzschicht-Beschädigungen, die Korrosion auslösen würden.
Strahlen
Mechanisches Reinigungsverfahren, bei dem Strahlmittel (Sand, Glasperlen, Trockeneis, u.a.) mit hohem Druck auf Oberflächen geschossen werden, um Rost, Zunder und alte Beschichtungen zu entfernen. → Trockeneisstrahlen, Oberflächenvorbereitung, Sa-Grade
Streusalz
→ Auftausalz
Substanzerhalt
Erhaltung der originalen, historischen Bauteile und Materialien eines Fahrzeugs — besonders relevant bei Oldtimern und Youngtimern. Im Korrosionsschutz bedeutet Substanzerhalt, dass Behandlungen das vorhandene Material schützen und stabilisieren, ohne es zu ersetzen oder das Erscheinungsbild zu verändern. → Patina
T
Taupunkt
Die Temperatur, bei der Luft die maximale Menge Wasserdampf enthält, die sie bei dieser Temperatur aufnehmen kann. Sinkt eine Oberfläche unter den Taupunkt der umgebenden Luft, kondensiert Wasser auf ihr. In Fahrzeughohlräumen ist Kondensation an Taupunkt-Unterschreitungen der Hauptmechanismus für Feuchtigkeitsansammlung. → Kondenswasser
Trockeneisstrahlen
Reinigungsverfahren, bei dem CO₂-Pellets (Trockeneis) unter hohem Druck auf Oberflächen geschossen werden. Das Trockeneis sublimiert beim Aufprall direkt zu Gas und hinterlässt keine Strahlmittelrückstände. Ideal zur rückstandsfreien Reinigung vor Korrosionsschutzbehandlungen. → Strahlen, Oberflächenvorbereitung
U
Überschussprinzip
Kontrollprinzip bei der Hohlraumversiegelung: Versiegelung gilt als vollständig, wenn an allen Austrittsöffnungen des Hohlraums sichtbarer Materialüberschuss austritt. Dieses Prinzip stellt sicher, dass auch entlegene Bereiche erreicht wurden und nicht nur die Eintrittsstelle. → Hohlraumversiegelung, Spritzplan
Unterbodenkorrosion
Korrosion an der Unterseite des Fahrzeugs, die durch direkte Exposition gegenüber Spritzwasser, Streusalz, Steinschlag und Temperaturschwankungen entsteht. Die häufigste und typischerweise zuerst einsetzende Korrosionsform am Fahrzeug. → Unterbodenschutz
Unterbodenschutz (UBS)
Beschichtung der äußeren Unterbodenstruktur zum Schutz vor Steinschlag, Feuchtigkeit und Streusalz. Unterbodenschutz schützt die Außenflächen — ergänzt, aber ersetzt nicht die Hohlraumversiegelung für die Innenräume der Karosserieprofile. → Hohlraumversiegelung
V
Verzinkung
Aufbringen einer Zinkschicht auf Stahl zur Korrosionsschutz. Zink ist unedler als Stahl und schützt durch die Kombination aus physikalischer Barriere und kathodischem Schutz (Opferanoden-Prinzip). → Feuerverzinkung, Opferanode, Duplex-System
Vorbehandlung
→ Oberflächenvorbereitung
W
Warmverarbeitung
Verarbeitung von Korrosionsschutzfetten bei erhöhter Temperatur (70–110 °C), bei der das Material niedrigviskos wird und kriechfähig ist. Nach dem Abkühlen erstarrt das Material zu einer robusten Schutzschicht. → Hohlraumfett
Z
Zink
Metall, das in der elektrochemischen Spannungsreihe unedler als Eisen ist und deshalb für den Korrosionsschutz von Stahl eingesetzt wird: Zink korrodiert bevorzugt und schützt das darunterliegende Eisen (Opferanodens-Prinzip). → Verzinkung, Opferanode, Feuerverzinkung
Zink-Lamellen-Beschichtung
Korrosionsschutzbeschichtung auf Basis überlappend angeordneter Zinkpartikel (Lamellen), die eine leitfähige Schutzschicht mit kathodischem Schutz bilden. Häufig bei Verbindungselementen (Schrauben, Bolzen) eingesetzt. → Verzinkung, Kathodischer Korrosionsschutz

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